Bruno Kehrein, Verleger und Jong, starb mit 67 Jahren.

Bruno Kehrein *18.10.1951 †03.05.2019

Bruno Kehrein
*18.10.1951 †03.05.2019

Der Umfassende

Der Verleger Bruno Kehrein ist tot. Das Mitglied der TG Hechte hat in den vergangenen Jahren eine Reihe Bücher der Jonges verlegt. Denn der Schwerpunkt seines Lebenswerks, der Grupello-Verlag, war seine Heimat.

Aber es war kein bloßer Regionalverlag. „Die Globalisierung verdrängt das Regionale nicht, sondern wertet es sogar auf“, hat Kehrein einmal gesagt. Die Provinz sei nicht drittklassig, sondern Gegenpol zu Arroganz und Überforderung in den Metropolen. Sein Angebot: „Schöne Bücher für kluge Leser.“ Dabei ließ er sich nicht auf bestimmte Themen begrenzen.

Beispiel? Donnerstag ging mein Romanmanuskript an die Verlage, schon am Sonntagabend rief Kehrein an und sagte, er fände es gut. Ich solle morgen um zehn vorbeikommen, Schwerinstraße 55. Ein freundlicher Mitsechziger in bequemer Kleidung öffnete dann dort eine Wohnung, proppenvoll mit Büchern, in Regalen, Stapeln und Kisten, bis zur Decke. Über Kunst, Wissenschaft, Heine, Düsseldorf, also jede Menge Heimatliteratur. Dazwischen ein paar junge Frauen an Schreibtischen und Laptops. War ich hier mit meiner schrägen Gaunergeschichte richtig? Er sah meine Zweifel. „Mir gefällt Ihr Stil und Humor!“ So einfach war das für ihn.

In der kleinen Kaffeeküche erfuhr ich dann so einiges über ihn selbst. Im Hunsrück aufgewachsen, hatte er in Frankfurt und Berlin Pädagogik, Psychologie und Soziologie studiert und war bei der Apo. Wir diskutierten, warum das mit unserer Weltrevolution damals nicht klappen konnte. Und von der Politik ging es per Du schnell weiter über die Künstler des „Jungen Rheinland“, seine Autorin Gabriele Henkel und Jan Wellem zum Fußball. Kehrein war Dauerkarteninhaber der Fortuna.

Er kannte sich mit Doppelsechs und hängender Spitze so gut aus wie bei Sigmund Freud. Der Mann war umfassend gebildet und emotionell interessiert. Das Kaufmännische eines Verlegers lernte er dann bei Wagenbach.1980 gründete er schließlich in Düsseldorf seinen eigenen Verlag.

Bruno Kehrein war der Hauptgrund für mich, bei den Jonges mitzumachen. „Da solltest Du auch eintreten. Heimatverbunden und weltoffen sind wir, wo findet man das sonst so?“ Er bot mir seine Patenschaft dafür an. Am Ostersonntag starb er völlig unerwartet. Sein großes Herz konnte private und berufliche Anstrengungen wohl nicht mehr verkraften.

Text: Wolfgang Frings
Aus dem Tor 07-2019

Hoch hinaus, weich gelandet.

Im Schatten des A-380

Schon sehr eindrucksvoll, obwohl so gut wie alle ihn kennen: Der Düsseldorfer Flughafen. Allerdings nur die drei Flugsteigbereiche A, B und C und zwar innen, mit den Geschäften, Schaltern, Sicherheitskontrollen und der Gepäckausgabe.

37 Hechte wollten das Ganze „von der anderen Seite“ sehen und so organisierten sie eine Besichtigungstour. Mit dem Bus, denn auf das Gelände darf niemand zu Fuß. Trotzdem wurden wir bei der Einfahrt kontrolliert wie die Fluggäste drinnen auch.

Zunächst umrundete unser Fahrer kleine Privatjets, mit denen Reiche, Mächtige und welche, die gerne so gesehen werden möchten, fliegen und unter sich bleiben. Einige dunkle Limousinen standen bereit, aber leider kein Winterkorn oder Mick Jagger zu sehen.

Dann zu großen Maschinen an den Auslegern der Flugsteige. Man konnte von ganz nah erkennen, dass Koffer immer noch per Hand aufs Band gelegt und im Flugzeug verstaut werden müssen. Ein Knochenjob, deshalb nur für Männer. Beim Stopp an den automatischen Verteilbändern über die tausende Gepäckstücke transportiert werden, erfahren wir, dass ein Koffer vom Check-in bis in das Flugzeug nur 20 Minuten benötigt.

Es ging weiter, um zu sehen, wie Boeings und Airbusse vom Ausleger weg – geschoben werden, bis sie die Turbinen zum Start nutzen können. Wir beobachteten, dass auch Jets manchmal eine Starthilfe benötigen, wenn die Batterie dazu nicht mehr reicht.

Schließlich der Höhepunkt: Die Piloten eines riesigen A-380 von Emirates testeten die Ruder und Flügelklappen. Sie rollte dann langsam zum Start, begleitet vom Bus. So nah wie möglich, aber nah genug, um Respekt vor den riesigen Turbinen zu bekommen.

Weiter ging es über das Gelände, an vielen Hallen vorbei bis zum Ende der Start- und Landebahnen und wir durften erleben, wie „unser“ A-380 abhob.

Die Hechte landeten am Ende, pünktlich … in der Brauerei an der Oststraße. Zum Nachtanken.

Wolfgang Frings
(aus Tor 07.2019)